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PNP (Pocking/Griesbach) vom Mittwoch, 28. September 2005
Einweisung: Gericht zieht Beschluss zurück

Seniorin muss nicht in die Psychiatrie - 89-Jährige zieht in AWO-Wohnanlage - Entscheidung fiel unbürokratisch

von Markus Gerauer.
Pocking.
Die Freude steht Hildegard Burchardt ins Gesicht geschrieben, sie ist überglücklich. Und auch Martha Kapsreiter strahlt. Sie haben es geschafft. Die 89-jährige Seniorin muss nicht in die Psychiatrie. Die Zwangseinweisung ins Bezirksklinikum, die ein Richter in der vergangenen Woche angeordnet hatte, ist vom Tisch. Der richterliche Beschluss wurde zurückgezogen.

Martha Kapsreiter, AWO-Kreisgeschäftsführerin, kann aufatmen. Viel hatte sie riskiert, um die 89 Jahre alte Hildegard Burchardt vor einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie zu bewahren. Die engagierte Frau wandte sich gegen einen richterlichen Beschluss, der eben diese Zwangseinweisung vorsah und entführte am vergangenen Mittwoch kurzerhand die Seniorin aus ihrem Pflegeheim. Kurz bevor die Ärzte und die Polizei anrückten, um Hildegard Burchardt abzuholen.
Ein Arzt des Bezirksklinikums Mainkofen, der laut Betreiber turnusmäßig im Seniorenheim vorbeischaut, hatte nämlich in einem medizinischen Gutachten festgestellt, dass die Seniorin gefährlich für sich und ihre Umwelt sei. Das Vormundschaftsgericht am Amtsgericht Passau erließ daraufhin den richterlichen Beschluss, dass die Frau einzuweisen sei. Ohne die Betroffene selbst jemals gehört zu haben. Die Einweisung sollte das Landratsamt als Vollzugsbehörde in die Wege leiten. Wenn nötig auch mit Hilfe der Polizei.
Doch dazu kam es nicht. Martha Kapsreiter holte Hildegard Burchardt vorher vom Seniorenheim ab. Von dort wollte die Seniorin ohnehin ausziehen - in die AWO-Wohnanlage in der Indlinger Straße in Pocking. Hier stand schon eine Wohnung bereit. Und genau darin vermuten die beiden Frauen den Grund, warum Hildegard Burchardt eingewiesen werden sollte. Der Betreiber des Seniorenheims, so vermuten Kapsreiter und Burchardt, wollte damit verhindern, dass die 89-Jährige das Appartement in seinem Heim kündigt.

Zweifel am Gutachten
des Mediziners

Wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte, dann ist dieser Plan nicht aufgegangen. Denn sowohl Hildegard Burchardt, als auch Martha Kapsreiter kämpften energisch dagegen an. Denn die AWO-Geschäftsführerin ist fest davon überzeugt, dass Hildegard Burchardt nicht psychisch krank und schon gar nicht gefährlich ist - weder für sich noch für die öffentliche Sicherheit. Sicher, die alte Dame genoss im Seniorenheim Vollpflege. »Doch die ist mir nur aufgeschwatzt worden. Ich kann mich noch sehr gut alleine versorgen«, beteuert die rüstige Seniorin. Und Martha Kapsreiter nickt zustimmend.
Sie holte, nachdem die 89-Jährige in Sicherheit war, noch die letzten Sachen aus dem Seniorenheim und brachte sie in die neue Wohnung der 89-Jährigen in Pocking. Und warteten zunächst einmal ab - es passierte nichts. Doch noch immer schwebte in der vergangenen Woche über der Seniorin das Damoklesschwert der Zwangseinweisung. »So lange ein richterlicher Beschluss vorliegt, muss das Landratsamt diesen vollziehen«, erklärte Pressesprecher Eduard Bosch vergangene Woche gegenüber der PNP. Soll heißen: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die alte Dame, die währenddessen ihre Freiheit bei Spaziergängen durch die Stadt und Cafébesuchen genoss, abgeholt wird.

89-Jährige schaltete
eine Anwältin ein

Das wollte Martha Kapsreiter nicht riskieren, sie wollte Klarheit, wollte, dass Hildegard Burchardt endgültig in Freiheit leben kann - ohne die ständige Angst, doch noch abgeholt zu werden. Bereits Ende vergangener Woche schaltete Hildegard Burchardt eine Anwältin ein. Die wurde dann auch sofort aktiv, ging gegen den richterlichen Beschluss vor. Und stieß auf weniger Widerstand als vermutet. »Frau Burchardt fuhr mit ihrer Anwältin Anfang dieser Woche ins Amtsgericht nach Rotthalmünster, um sich zu erkundigen. Und da hieß es: Der richterliche Beschluss ist bereits zurückgezogen«, schildert Martha Kapsreiter die Geschehnisse gegenüber der PNP.
Nun ist die Seniorin frei. »Sie hat sich sehr gefreut. Nun wartet sie auf ihre Möbel für ihre neue Wohnung«, erzählt Martha Kapsreiter über Hildegard Burchardt. Freude herrscht natürlich auch bei ihr selber. Aber nicht nur. »Es ist auch ein Gefühl der Genugtuung«, sagt die AWO-Kreisgeschäftsführerin, die ihre Rolle bei der Sache gar nicht so hoch gehängt sehen will. »Jeder Mensch hätte in dieser Situation das Gleiche für Frau Burchardt gemacht«, ist Martha Kapsreiter überzeugt und fügt gleich hinzu: »Jeder halbwegs vernünftige Mensch.«

Lokalteil Pocking: http://www.pnp.de/pocking/


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