individueller Beitrag
  

Kalle Pehe

Atypische Neuroleptika

10.12.2000

Bei der Debatte über einen vernünftigen Umgang mit seelischen Störungen beobachte ich zur Zeit eine breit angelegte Kampagne, die neuen Neuroleptika am »Markt« einzuführen. Dabei wird argumentiert, dass das Problem »Seelische Störungen« im Prinzip wissenschaftlich gelöst sei. Es komme im wesentlichen darauf an, Betroffene davon zu überzeugen, die neuen Neuroleptika einzunehmen. Nun ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Menschen, die damit positive Erfahrungen gemacht haben, dies auch öffentlich äußern. Solange es keine besseren Lösungen gibt, kann die Einnahme solcher Medikamente als »kleineres Übel« vielleicht eine gewisse Entlastung bringen. Ich bin aber nicht damit einverstanden, das generell als Lösung des Problems zu verkaufen.

Ich selbst bin einen ganz anderen Weg gegangen und komme gut zurecht. Bei mir stand das Lernen im Vordergrund, das Lernen neuer Rollen, das Erlernen eines anderen geduldigeren Umgangs mit Konflikten. Vor diesem Hintergrund sehe ich »Psychosen« als eine Art Übergangszustand zu einer anderen Normalität, die jeder natürlich selbst auffinden und ausprobieren muss/kann. Mich wundert es nicht, dass ich mit diesen Erfahrungen für Psychiater, die das »medizinische Modell seelischer Störungen« (Dorothea Buck) vertreten, wenig interessant bin. Natürlich kann ich auch meine Erfahrungen nicht verallgemeinern, halte es aber für wichtig, dass Betroffenen auch solche Erfahrungen bekannt gemacht werden. Ich bezweifle, dass das Problem »seelische Störung« mit dem »medizinischen Modell« hinreichend erklärt ist. Bei meinem Weg hat eine Wiederherstellung eines angeschlagenen Selbst oberste Priorität. Das ist in erster Linie vom Betroffenen selbst zu leisten. Es kann aber hilfreich sein, wenn das Umfeld eine solche Lösung grundsätzlich einräumt und nicht als »idealistische Spinnerei« ohne wissenschaftliche Grundlage diskreditiert. Ich wünsche mir eine offenere Diagnosenstellung, die Betroffene ermutigt, eigene Lösungen für ihre Schwierigkeiten zu suchen. Wer dazu weitere Informationen wünscht kann mich gerne anschreiben oder sich in diesem Forum zu Wort melden.

Kalle Pehe
Selbsthilfegruppe »Mut zum Anderssein« – Krefeld
Von-Steuben-Str. 30
47803 Krefeld