unveröffentlichter Brief an den BPE
   

Walter Riester
Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung

Bonn, den 19. Januar 1999

An das Vorstandsmitglied des
Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Frau R.K.


Sehr geehrte Frau K.,

für Ihren Brief vom 12. Januar 1999 danke ich Ihnen. Ihr Schreiben enthält eine Vielzahl von Anregungen, um die Lebenssituation psychisch kranker Menschen zu verbessern.

Für die behinderten Mitbürgerinnen und Mitbürger – das kommt in Ihrem Brief, aber auch in der Koalitionsvereinbarung der Regierungsparteien vom 20.10.1998 sehr deutlich zum Ausdruck – ist die Integration in Beruf und Arbeit die entscheidende Voraussetzung für ihre Teilnahme am sozialen und gesellschaftlichen Leben. Auf diese Herausforderung müssen sich Sozialverbände, Gewerkschaften, Wirtschaft und Politik konzentrieren. Teilhabe durch Arbeit ist besser als noch so gute soziale Leistungen. Selbstbestätigung durch Mitarbeit und Selbstwertgefühl durch Zusammenarbeit mit anderen in der Arbeitswelt sind für behinderte wie für nichtbehinderte Menschen von entscheidender Bedeutung. Deshalb werden unsere Anstrengungen für eine aktive Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik auch die Eingliederung und die Wiedereingliederung von Behinderten in das Erwerbsleben umfassen.

Es kommt vor allem darauf an, mit neuem Engagement und mit neuen Ideen die Beschäftigungssituation behinderter Menschen zu verbessern. Über die notwendigen Schritte wird sowohl im Rahmen der Gespräche zu einem Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit wie auch bei der Umsetzung der europäischen Beschäftigungsstrategie zu reden sein. Das Bewusstsein der Verantwortung für die Bereitstellung und Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen für Behinderte muss bei einem großen Teil der Arbeitgeber neu geweckt werden. Der Trend der letzten Jahre zu einer immer geringer werdenden Bereitschaft, zumindest den vorgeschriebenen Anteil von Arbeits- und Ausbildungsplätzen mit Schwerbehinderten zu besetzen, muss umgekehrt werden.

Ein weiteres zentrales Anliegen dieser Bundesregierung zur Verbesserung der Situation von behinderten Menschen in unserer Gesellschaft ist die Zusammenfassung und Weiterentwicklung des Rechts der Rehabilitation in einem Sozialgesetzbuch IX. Ich hoffe sehr, dass es möglich sein wird, sich dabei auf wichtige Kernpunkte einer effizienten und sinnvollen Rehabilitations- und Behindertenpolitik zu verständigen. Dazu werden wir die Erfahrungen, aber auch den Sach- und Fachverstand der Betroffenen und ihrer Organisationen in besonderer Weise nutzen.

Für Ihre vielfältigen Anregungen danke ich Ihnen nochmals sehr herzlich. Sie können sicher sein, dass sie alle im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung gründlich geprüft werden. Darüber hinaus können Sie auch sicher sein, dass die neue Bundesregierung für Belange von Behinderten immer ein verlässlicher Ansprechpartner sein wird. Für Ihre Arbeit wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Riester

Bitte klicken Sie hier, wenn Sie das BPE-Schreiben an Herrn Minister Riester lesen wollen.