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 Rundbrief
Ausgabe 3/2007

Meine Eindrücke vom Begleitprogramm des BPE beim WPA-Kongress in Dresden vom 6. bis 8. Juni 2007
Von Heidi Höhn

Nicht ganz zufällig war ich zur Zeit des WPA-Kongresses in Dresden. Von diesem Kongress habe ich nichts gesehen, die Teilnahme hätte mich 100,- € gekostet und ich hatte bereits im Vorfeld die Einsicht, dass dort nicht unbedingt „unsere Profis“ das Sagen haben würden.

Interessiert hätte mich der Auftritt von Gert Postel im Rathaus. Mir wird immer ganz warm ums Herz, wenn ich daran denke, dass dieser Schlawiner vor Profis Vorträge gehalten hat über psychische Erkrankungen, die er selbst erfunden hat.

Ich war jedoch lieber in der Cityherberge beim Begleitprogramm, das der BPE zusammengestellt hatte. Es war ein kleines feines Programm, zu dessen Abschluss auch Dorothea Buck erwartet wurde.

Unser kompletter BPE-Vorstand war vor Ort. Kollagen von Karla Kundisch (LAG Sachsen) schmückten die Wände des Tagungsraumes. Bei der Podiumsdiskussion zum WPA-Kongressthema „Zwang und Gewalt in der Psychiatrie“ kamen am ersten Tag die Profis aus der Betroffenenbewegung Elke Bücher (BPE), Karla Kundisch (LAG Sachsen), Mary Nettle (ENUSP Großbritannien), Matthias Seibt (BPE) und die Profis David Oaks „mind fredom“ USA und Robert Wittaker ein Journalist aus den USA, der sich mit psychiatriekritschen Recherchen einen Namen gemacht hat, zu Wort.

Am nächsten Tag war Kulturprogramm angesagt: Sybille Prins berichtete über ihre Arbeit an ihrem neuen Buch, das Interviews mit Betroffenen enthält. Außerdem wurde über den Stand der Dinge im Fall Tanja Afflerbach mit einem Vortrag und einem Videofilm berichtet. Nach den ausgeklügelten Gedichten von Karla Kundisch bekamen wir in Anwesenheit von Dorothea Buck die DVD ** zu sehen, die auch beim WPA-Kongress bei den Zwangs-Profis vorgeführt worden war. Ich war ergriffen und begeistert von ihrem Vortrag und insbesondere von der Art und Weise, wie sie ihren Lebensweg in Verbindung mit ihrem eigenen Erleben von „70 Jahren Zwang“ schilderte. Zum Schluss bot Sie uns auf der Leinwand einen Augenaufschlag mit offenem Blick auf ihre Zuhörer, der Steine erweichen könnte. Mit dieser DVD hat sie uns zu Lebzeiten ein Vermächtnis gemacht, das diese großartige Frau für uns lebendig bleiben lässt. Im Anschluss an diesen Film wurde lebhaft diskutiert. Ich fühlte mich wie bei einem harmonischen Familienfest.

Die Cityherberge lag schön zentral zum Stadtkern und ganz nah der Ausstellung „Tödliche Medizin“ im Hygiene-Museum. Bitterstes Fazit dieser Ausstellung: In der NS-Zeit wurden ausgerechnet die Ärzte in der Psychiatrie von heute auf morgen zu Todfeinden ihrer Patienten. Nicht die Nazis haben die Patienten umgebracht, sondern die Ärzte.

Zum Abschluss der Tagung habe ich noch mit den Organisatoren dieses Begleitprogramms zum WPA-Kongress in der lauen Sommernacht zum Essen zusammen gesessen, und ich konnte einen ganz anderen Eindruck von unseren Vorstandsmitgliedern bekommen, als dies bei den oft nervtötenden Mitgliederversammlungen in Kassel der Fall sein kann. Die können Witze erzählen - na also!

 

Foto Dorothea: Buck: Ursula Müller

DVD Dorothea Buck - 70 Jahre Zwang in deutschen Psychiatrien - erlebt und miterlebt

**Die DVD ist beim Rundbrief bestellbar. Auf der DVD befindet sich Dorotheas Rede in deutscher und englischer Fassung.
Als Bonus ist Dorotheas Auftritt beim WPA Kongress und die Diskussion (28 Min) auch noch mit dabei.
Am Besten per Mail an: bpe-rundbrief@web.de
oder per Brief bei:
Reinhard Wojke, Holsteinische Str. 39 in 10717 Berlin
Kostenpunkt: 10,-€ + Versandkosten

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